World Games 2017 – 6 Tage Intercrosse im Ruhrpott

Teil 1: Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Moritz Pietrass zu den 29. World Games in Bochum. Eine Woche ganz im Zeichen des Intercrosse vor der großartigen Kulisse des Ruhrgebiets.

Als ich zum ersten Mal von der Idee der Essen Eagles (IVD-Mitglied und Ligateilnehmer) erfuhr die World Games zurück nach Deutschland, mitten ins Ruhrgebiet zu holen, hatte ich direkt ein gutes Gefühl bei der Sache. Das Ruhrgebiet und die World Games, allein von der Mentalität her muss das einfach passen, es könnte gar die perfekte Umgebung für dieses einzigartige und weltweit größte Intercrosseturnier werden. Soweit meine ersten Gedanken.

Im Februar kam dann die offizielle Bestätigung und die Nachricht verbreitete sich innerhalb weniger Tage via Facebook und Co in der internationalen Intercrossecommunity. Der FIIC hatte sich für das Konzept der Essener entschieden, die Intercrosse World Games 2017 kommen also wirklich in den Pott und damit erstmals nach 2010 in Ratingen zurück nach Deutschland.

Die Vorfreude bei allen war groß, die Erwartungen ebenfalls. Das galt jedenfalls für mich, genauso wie für das Essener Organisatorenteam rund um Trainer und Hauptorganisator Dominik Drese. Aber selbst als „normaler“ deutscher Teilnehmer wollte man den ausländischen Gästen und Freunden  ein tolles Turnier im Heimatland präsentieren. Der deutsche Perfektionismus kommt mal wieder ans Licht, kann sich bei der Organisation eines solchen Großevents aber auch durchaus positiv auswirken.

Als Kind des Ruhrgebiets erhält der Austragungsort einen zusätzlichen Reiz, gemischt mit dem Bestreben, alle Besucher von den positiven Seiten des Ruhrgebiets zu überzeugen. Klarer Vorteil hier: Unsere Freunde aus dem Ausland kommen vollkommen uneingenommen und ohne negative Vorteile über diese Region hier hin, im Gegensatz zu vielen Deutschen aus anderen Bundesländern. In der Haut der Organisatoren wollte ich dann ehrlich gesagt aber auch nicht stecken.

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Das Minimum an Anmeldungen, welches man für eine Sicherung der Unterkunft vor Ort benötigte, wurde alsbald erreicht und dem Turnier stand nun nichts mehr im Wege. Die Teilnehmerzahl stieg auch nach den Wochen der Anmelde-Deadline weiter an und die Marke von 90 Anmeldungen wurde geknackt! Schon vor Beginn des Events ein beeindruckendes Statement. Man kann dies auf mehrere Gründe zurückführen:

1. lockt ein Turnier in Deutschland natürlich unsere zahlreichen deutschen SpielerInnen im Land an und wir zählen nunmal mit zu den stärksten Nationen weltweit, rein an der Spielerzahl und Verbreitung gemessen. 2. wurden die letzten World Games 2016 bekanntermaßen in Quebec, Kanada ausgetragen, weshalb, aus nachvollziehbaren Gründen, wesentlich weniger Europäer teilnahmen als im Normalfall. 3. hat sich Deutschland mit tollen World Games 2007 und 2010 als super Gastgeber dieses Turniers präsentiert und auch durch die internationalen Turniere, den Panthers Cup und den Basalt Cup, über Jahre hinweg einen äußerst positiven Ruf erarbeitet.

Nach einer persönlich und aus Sicht meiner Mannschaft, den L.A. Panthers, extrem spannenden, intensiven und wirklich anstrengenden Saison, sowohl körperlich als auch mental, fiel ich nach dem letzten Training kurz vor den Sommerferien Mitte Juli in ein wahres Motivationsloch. Übersättigt von Intercrosse, dem Sport, der mir alles bedeutet. Aber die Saison hatte ihre Spuren hinterlassen. Vielen meiner Freunde und Teamkollegen ging es ähnlich.

Bis zu den World Games blieben aber auch nur zwei Wochen Zeit zum Erholen und um etwas Abstand zu gewinnen. Gerade für den sportlichen Teil des Turniers fehlte mir zu dem Zeitpunkt Motivation und Energie. Auf das Rahmenprogramm, was für mich in erster Linie heißt Freunde wiedersehen, gemeinsam Zeit verbringen, feiern und vielleicht auch neue Intercrosser kennenlernen, freute ich mich allerdings schon seit Wochen.

Daher stieg die Vorfreude auf das Gesamtpaket und auch auf die Spiele doch jeden Tag weiter an und das kleine Loch löste sich langsam wieder in Luft auf. Dieses ganz spezielle World Games Feeling setzte ein und ließ mich nicht mehr los. Das schöne an diesem Event ist ja auch gerade, dass man frei von seinem Verein, frei von Leistungsdruck, einfach spielen und Intercrosse genießen kann. Welches Team am Ende gewinnt, ist dabei eher nebensächlich.

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Moderator Christian Treis und Hauptorganisator Dominik Drese

Dann war es soweit. Montag, der 31. Juli, Ankunft in Bochum, am Abend die Eröffnungszeremonie und feierliche Teamauslosung. Immer wieder ein toller Moment, wenn das erste Mal alle TeilnehmerInnen, also dieses mal um die 90 Menschen, zusammenkommen und man bei allen eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität spürt. So erging es auch mir und ich glaube es ist fast egal, ob es die ersten, fünften, zehnten oder in meinem Fall die achten World Games sind, eine gewisse Anspannung ist immer da. Das Los entscheidet schließlich mit wem man die nächsten vier Spieltage in einem Team aufläuft und viel Zeit verbringt.

Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass man auch in einem schwächeren Team oder einer Mannschaft, in der man vielleicht nicht so zum Zug kommt wie erhofft, trotzdem ein grandioses Turnier erlebt. Man kann bei den World Games außerhalb des Feldes eben genauso viel Spaß haben wie auf dem Feld. Aber zugegebenermaßen ist die richtige Mischung am Ende entscheidend und natürlich kann es teilweise frustrierend werden, wenn es im Team nicht so recht läuft oder man den ein oder anderen Mitspieler gerne austauschen würden. Dieses Gefühl hält aber doch immer nur sehr kurz an, dafür gibt es zu viel Ablenkung und positive Stimmung während der Woche.

Die Location für die Zeremonie war super gewählt, wir befanden uns direkt im bekannten Bermuda-Dreieck, der beliebten und großen Ausgehmeile in der Bochumer City. Unsere Bar „Flashback“, lag nur einen Katzensprung weit weg von der Unterkunft des Turniers, dem „DJH Jugendgästehaus Bochum“, und war gewissermaßen als „Stammkneipe“ für die Woche auserkoren worden. Mit großem Außenbereich und einem stylischem Innenbereich im Retrolook, alles getreu dem Namen der Bar, war dies schon ein besonderes und sehr erfrischendes Ambiente für diesen Anlass. Ein weiterer grandioser Pluspunkt der World Games im Allgemeinen – die wechselnden Gastgeberländer und Umgebungen jedes Jahr. Diese Internationalität lässt einen selber jedesmal ein Stück weit weltoffener und vielleicht auch toleranter werden.

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Eröffnungsrede von Martin Cloutier

Bevor es mit der Auslosung dann endlich losging, folgten nach der Siegeehrung des European Cups samt Allstarteam durch Mario Villa, noch einige Worte von Moderator Christian Treis, Hauptorganisator Dominik Drese und traditionell auch vom FIIC-Präsidenten Martin Cloutier.

Nach einer guten halben Stunde standen dann die acht Teams mit jeweils 10-11 Spielern in den Farben und gleichzeitig Namen: Blue, Green, Yellow, Orange, Sky, Maroon, Red und Black fest und der Abend nahm seinen feucht-fröhlichen Verlauf. Der erste Eindruck der Mannschaften ist immer schwer zu beurteilen, überhaupt sich einen Überblick zu verschaffen. Doch fest stand zum einen – Ich war selten so glücklich mit meinem eigenen Team Orange, da ich zum ersten mal in den acht Jahren mit zwei meiner besten Freunde und nebenbei auch außergewöhnlich guten Spielern und zusätzlich einem meiner beiden Vereinstorhüter zusammen gelost wurde. Aber auch sonst hatten wir eine gute Mischung im Team mit 6 Deutschen (eine Spielerin erst ab Donnerstag), 3 Franzosen und 2 Tschechen. Klar, 1-2 Deutsche weniger hätten es auch getan, aber bei einem Gesamtverhältnis von geschätzten 60:40 Deutsche zu Ausländern bei dem Turnier war das zu erwarten und verkraftbar.

Von vornherein wurden wir als Mitfavorit gehandelt, was zwar einen leichten Druck erzeugte, aber in erster Linie freute ich mich einfach auf das Spielen in diesem Team, unabhängig vom Turnierausgang.

Zudem stach die Mannschaft „Sky (Blue)“ sofort ins Auge und aufgrund der vielen sehr starken Einzelspieler war schon am ersten Abend klar, dass unsere beiden Mannschaften zumindest keine schlechten Chancen auf ein gutes Turnier haben würden. Alles andere musste man abwarten und war kaum vorauszusagen. Am Ende des Tages ist Intercrosse eben doch und vor allem ein Teamsport, wo Einzelspieler auch erst einmal miteinander harmonieren müssen.

Die Stimmung war super und nach der Auslosung entspannt und locker. Traditionell endete der erste Abend dann aber doch nicht allzu spät (mit einzelnen Ausnahmen, auf die wir hier nicht näher eingehen), steckte doch einigen auch die Hinreise noch in den Knochen und nach teilweise so langer Zeit ist das erste Wiedersehen meist eine Art Aufwärmphase für die restliche Woche.

Im zweiten Teil beginnt das Turnier dann auch auf dem Feld. Ihr erfahrt wo und wie gespielt wurde, ob das Essen überzeugend konnte, von einem Ausflug ganz im Ruhrpottstyle und wie die Woche ihrem Höhepunkt, der Abschlussfeier, viel zu schnell entgegensteuert. 

Moritz Pietrass

Fotos von Sabrina Schürings

Dieser Artikel wurde am 21. August 2017 veröffentlicht.
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